Mondflug


by Claudia Behr

„Ich fliege zum Mond und nehme mit…was Frauen auf Reisen nicht entbehren können und weshalb sie meist ihr Eigengewicht an Gepäck mit sich schleppen!“

Grundsätzlich: Würde ich als Frau auf eine einsame Insel reisen, hätte ich nur rudimentär meinen Koffer gepackt. Wen oder was könnte ich dort erwarten? Niemanden. Eben. Deshalb wäre mein Koffer für eine einsame Insel ultraleicht: Sonnenbrille, Reinschreibebuch und ein Stift. Vielleicht würde ich noch einen Sarong, Zahnpasta wie auch eine Zahnbürste mitnehmen. Da ich nicht mehr rauche hätte sich das Thema Zigaretten, Feuerzeuge oder Streichhölzer von selbst erledigt. Ok, vielleicht wären Letztere doch von Vorteil.

Ganz anders sieht es natürlich aus, wenn die Reise zum Mond geht. Nach Erfahrung lässt sich hier überhaupt nichts planen, denn wer war schon einmal auf dem Mond und weiß, was Frau idealerweise einpacken sollte, um für jede Situation gerüstet zu sein?

Was kann auf einer solchen Reise alles geschehen? Welche Events wird es geben? In was für Abenteuer wird Frau schlittern? Da niemand weiß, was einen erwartet, sollte Frau großzügig packen und für jede Art der Begegnung gewappnet sein. Eventuell könnte sie den Bikini zu Hause lassen, denn ein Sonnenbad auf dem Mond wird es nicht geben und schwimmen gehen ist aufgrund der Molekülstruktur von Flüssigkeiten in der Schwerelosigkeit durchaus fraglich.

Gehören Astronauten eigentlich zu der Spezie Traummann? Wie ist es, neben seinem potenziellen Traummann zu schweben? Und wie lässt sich herausfinden, ob dieser Schwebezustand natürlichen oder künstlichen Ursprungs ist?

Wie lässt sich mit Helm kommunizieren? Verbal oder nonverbal? Kann man sich so küssen? Und falls nicht: Was zum Henker macht die Frau eigentlich auf dem Mond, wenn sie gar nicht küssen kann? Wer bringt sie wieder zurück zur Erde? Und vor allem: WANN und wie schnell? Wie ist es mit der Zeitdimension? Lässt sich ein maximal 2-Stunden-Date einhalten?

Lohnt sich ein vorheriger Friseurbesuch, wenn Frau weiß, dass sie am nächsten Tag auf den Mond fliegt? Was passiert eigentlich mit den Haaren, wenn sie in der Schwerelosigkeit schweben?

Die Frage, ob offene oder zusammengesteckte Haare geeigneter sind, löst eine kleine Sinnkrise aus. Männer mögen offenes, langes, wallendes Haar. Für ein erstes Date auf dem Mond würde sich dieser Haarstyle anbieten. Andererseits: wenn wir davon ausgehen, dass das wallende Langhaar schwerelos irgendwie dahinschwebt, schießen mir Leichenbilder im Wasser durch den Kopf, die nicht unbedingt die weibliche Schönheit unterstreichen müssen. Immerhin könnte es doch passieren, dass er in der größten Leidenschaft das zusammengesteckte Haar lösen könnte und dann würde es undefiniert herumschweben. Keine gute Alternative. Dann doch lieber keusch im Helm bleiben und leidenschaftlich gegeneinander tocken.

Was sich auf jeden Fall lohnt mitzunehmen, sind High Heels. Sie optimieren die Beinlänge, sind ein idealer Hingucker und endlich einmal wahnsinnig bequem. Mit High Heels auf dem Mond kann Frau auch lässig die Beine übereinanderschlagen, ohne dass es gleich Krampfadern gibt!!!

Was macht man eigentlich am oder auf dem Mond in seiner Freizeit? High Heel-Trecking oder besser High Heel-Jumping? Auf den Horizont blicken, tags wie nachts Sterne gucken, seltene Mondsteine finden, neue Meilensteine setzen und die eine oder andere Flagge verschieben.

Ich würde einen High Heel verlieren und ihn dekorativ irgendwo auf dem Mond stecken lassen. Vorher schreibe ich natürlich meinen Namen und meine Email-Adresse auf. Denn der nächste, der ihn findet, meldet sich sicherlich bei mir und könnte ein Traumprinz sein oder er erzählt die Geschichte mit dem High Heel auf dem Mond einer Zeitung und die würde mich dann interviewen wollen. Wenn ich dann noch Musiker wäre, würde ich einen Song schreiben, ihn „High Heel on Moon“ nennen und von AC/DC ein paar Akkorde klauen.

Wie ist das eigentlich mit der Weltraumnahrung? Wenn man die halbe Tablette oder Portion isst, nimmt man dann ab oder zu? Herrscht da Unter- oder Überdruck? Oder ist da ein Vakuum? Wie macht sich ein Vakuum im Körper bemerkbar? Bleibt man wie man ist, egal wie viel Pillen man schluckt? Oder sollte Frau auf ihre Linie achten und sich kalorienbewusst ernähren?

Praktisch betrachtet müsste die Reise zum Mond ein Mekka für jene Frauen sein, die leidenschaftlich gern alles einpacken, was sie in ihrem Urlaub brauchen könnten. Da man sich irgendwann im schwerelosen Zustand befindet, ist es ganz gleich, wie viel Gewicht ihr Gepäck hat. Mit anderen Worten: Alles ließe sich problemlos mitnehmen und niemand würde mit den Augen rollen und fragen: „Wozu brauchst du das denn?“

Dumm ist nur, dass Frau den Großteil ihres Koffers kaum nutzen könnte. Aber ist das ein Argument für ein sparsames Packsystem? Nein. Damit wäre das Packverhalten für eine Reise zum Mond geklärt.

Kommen wir in irdische Gefilde. Es soll Menschen geben, die glauben, dass manche Frauen sinnloses Zeug einpacken und regelmäßig mit ihrem Gepäck ihr Eigengewicht überschreiten.

Es muss endlich einmal gesagt werden: Männer haben es beim Packen viel viel leichter. Sie tragen Hose, Hemd, T-Shirt, Schuhe und wenn es in Richtung Übergepäck gehen soll: Creme im Gesicht. Summa summarum: 3 Kilogramm. SO.

Damit glauben die Herren der Schöpfung drei Wochen lang auszukommen. Aber: Wer gibt ihnen ein Taschentuch? Ein Pflaster? Eine Aspirin? Etwas gegen den Sonnenbrand? Kopfbedeckung? Blasenpflaster? Leiht ihnen Strümpfe, etwas Duschgel, Zahnpasta? Lässt sie auf ihrem doppelten Handtuch liegen? Liest laut aus ihrem Buch vor? Opfert einen Ohrstöpsel zum Musikhören? Macht Platz in der Tasche oder im Rucksack für diverses männliches Kleinzeug? Packt Karte und Reiseführer ein? Hat ein Paar Ersatz-Flipflops im Rucksack, falls die anderen beim Wandern reißen? Ist es ein Wunder, dass das Gepäck von Frauen mehr als das von Männern wiegt?

Vielleicht sollte sich der Mann im Vorfeld freundlich und neutral erkundigen, was die Frau alles eingepackt hat, denn dann würde er begreifen, dass die Hälfte davon eigentlich ihm gehört. Und warum Frauen für den Mann mitpacken und deshalb immer sauschwerere Koffer haben, meine lieben Herrschaften, ist unter anderem evolutionstechnisch gut zu erklären: Sie sind es gewohnt, für den anderen zu sorgen. Pech für die Männer, dass sie es gewohnt sind, den Koffer zu tragen.

Einpacktipps für Frauen zu verschiedenen Anlässen:

Reise zur einsamen Insel – allein:

  • Sonnenbrille
  • Stift
  • Reinschreibebuch
  • Flasche Wein mit Schraubverschluss (Weiterverwertung als Flaschenpost)
  • Streichhölzer

Reise zum Mond – allein (aber eventuelles Date mit Mondmann)

  • Alles außer einem Bikini oder Badeanzug
  • 1,5 bis 2 Paar High Heels (1 zum Tragen und 1 bis 0,5 zum Verlieren)
  • Glitzer-Dekozeug (für Deko auf dem Mond)

0815-Reise in den Süden – für Sie und IHN

  • Flipflops und ein Paar Ersatz für ihn, Treckingsschuhe, Abendsandalen
  • Strandmatte XXL oder Handtuch XXL (für sie und ihn)
  • Arzneiköfferchen (für all seine Wehwechen)
  • Musik (für sie und ihn)
  • Ultradickes Buch (am Besten Thriller oder Krimi, damit er sich nicht langweilt und sie nötigt, mit ihm auf Entdeckungstour zu gehen)
  • Sudoku und diverse Kreuzworträtsel (vielleicht auch das aus der New York Times, da es besonders schwer sein soll)
  • Sonnencreme XXL (für sie und ihn)
    After Sun XXL (für sie und ihn)
  • Taschentücher
  • 1 Kleid
  • 1 Rock
  • 1 Short
  • 1 Hose
  • 1 Jacke
  • 1 T-Shirt
  • 1 Bikini

…das war’s. Noch Fragen?

PS: Wir Frauen sind doch nicht blöd und schleppen überfüllte Koffer zum Urlaubsziel. Das machen wir auf dem Rückweg – nach dem Shoppen.

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