Sho(p)lympiade


Frage: Warum ist es ein absolutes No-Go, dass zwei Frauen auf einer Party dasselbe Kleid tragen? 

Da es leider den Rahmen sprengen würde, den gesamten psychologischen, sozialen, soziopolitischen und existenziellen Prozess (der gleichwohl automatisch in der Psyche der Frau ablaufen würde, sollte eine andere Frau auf einer Party das gleiche Kleid tragen) zu erklären, gibt es im Folgenden nur ein paar Denkanstöße für den Mann, warum es ein absolutes No-Go ist, dass zwei Frauen auf einer Party dasselbe Kleid tragen.

Warum wollen Männer eigentlich immer wissen, warum es für eine Frau schlimm ist, dass auf einer Party eine andere Frau das gleiche Kleid trägt? Was ist das für eine Frage? Ich meine, es liegt doch eigentlich auf der Hand: Es kann nur eine geben. Und deshalb kann es auch nur eine geben, die ein bestimmtes Kleid am besten tragen kann. Der fließende Stoff, die tolle Farbe, der elegante Schnitt, der großzügige Ausschnitt…alles passt perfekt zusammen und ist ebenso perfekt auf die Frau darin abgestimmt. Und nur auf sie und auf keine andere. Da liegt es doch auf der Hand, dass Frau sich ärgert, wenn andere Frau meint, das Kleid stünde ihr ebenso gut.

Ein Kleid = eine Frau. So einfach ist das.

Zugegeben: Männer haben es in der Party-Kleidungsfrage viel einfacher. Zu schicken Anlässen tragen sie einen Smoking, vielleicht eine glänzende Krawatte oder eine Fliege. Die klassische schwarz-weiß-Kombination. Keiner macht sich Gedanken, ob der eine Mann dem anderen Mann ähnlich sieht oder sie beide gar den gleichen Anzug tragen. Dass sie aufgrund der gleichen Kleidung oder einer ähnlichen Frisur vielleicht verwechselt werden könnten, darauf kommen sie gar nicht.

Ok, kommen wir vom Makrokosmos zum Mikrokosmos. Angenommen, wir befinden uns auf einer Party und sehen hinreißend aus. Weil wir das absolut göttlichste Kleid bei einer wahnsinnig anstrengenden, aber äußerst erfolgreichen Sho(p)lympiade ergattert haben.

Hierzu ein kleiner Exkurs, der den sportlichen Ehrgeiz, das harte Training und die immense Durchsetzungskraft des weiblichen Wesens verdeutlicht. Betrachten wir die sportlichen Aspekte der Sho(p)lympiade en detail: 

Basis: Shoppen heißt nicht einfach nur shoppen. Der bevorstehende Shopping-Trip muss perfekt geplant und organisiert sein sowie kreativ durchdacht werden. Ist der theoretische Teil geklärt, kann die praktische Umsetzung in mehreren Etappen sekundenschnell starten.

0. Etappe: Konzept und Strategieentwicklung:

  • Zeitmanagementcheck
  • Locationcheck
  • Finanzcheck (einschließlich Einplanung Limit Kreditkarte)
  • Strategieklärung: erst Schuhe und dann Kleidung oder erst Kleidung und dann Schuhe?
  • Worst-Case-Szenarien durchdenken (z. B. das Kleidungsstück gibt es nicht in meiner Größe. Was mache ich jetzt?)

A) mich reinzwängen und trotzdem kaufen B) es mit 90 Grad waschen und trotzdem kaufen

C) in einem anderen Laden etwas Ähnliches suchen D) mich damit abfinden und dafür zwei andere Sachen kaufen

  • Selffulfilling Prophecy durchspielen

z. B. Was ist, wenn mir schwarz nicht steht und es das Outfit nur in    schwarz gibt? Oder Kleidung in Pastelltönen, bestimmt gibt es nur noch diese Farben, ich kann überhaupt NICHTS kaufen…

Steht die Basis, der Plan geht es endlich an die effiziente Umsetzung – die Sho(p)lympiade in sieben anstrengenden Etappen beginnt.

1. Etappe: alle Läden in Nullkommanix scannen, durchrauschen, ab in die Umkleidekabine, anprobieren, an die Kasse stellen, kaufen, kaufen, kaufen, ab zum nächsten Laden

2. Etappe: neuer Laden, durchrauschen, ab in die Umkleidekabine, anprobieren, an die Kasse stellen, kaufen, kaufen, kaufen, ab zum nächsten Laden

3. Etappe: neuer Laden, Einkaufsprozedur von vorn, durchrauschen, ab in die Umkleidekabine, anprobieren, an die Kasse stellen, passende Accessoires im Vorbeilaufen schnappen, kaufen, kaufen, kaufen, ab zum nächsten Laden

4. Etappe: mit all den Taschen zum neuen Laden hetzen, durchrauschen, ab in die Umkleidekabine, anprobieren, an die Kasse stellen, passende Accessoires im Vorbeilaufen schnappen und dabei telefonieren, kaufen, kaufen, kaufen, ab zum nächsten Laden

5. Etappe: neuer Laden, durchrauschen, ab in die Umkleidekabine, anprobieren, MMS an eine Freundin schicken (Frage: Steht mir das?), positive Antwort abwarten, an die Kasse stellen, passende Accessoires im Vorbeilaufen schnappen, kaufen, kaufen, kaufen, ab zum nächsten Laden

6. Etappe: neuen Laden mit 49 Taschen stürmen ­– diesmal sind die Schuhe an der Reihe. Durchrauschen, Schuhe scannen, Farben und Absätze checken, passende Größe suchen, Verkäuferin zuerst ignorieren und dann doch zum Fachsimpeln rufen, anprobieren,  MMS an eine Freundin schicken (Frage: Wie findest du die?), positive Antwort abwarten (im unerwarteten Fall, dass die Freundin meint, dass sie die Schuhe nicht schön findet, sie aus der Shopping-Friends-Liste streichen), aus Trotz gleich zwei Paar schnappen, an die Kasse stellen, passende Accessoires im Vorbeilaufen schnappen, kaufen, kaufen, kaufen, ab zum nächsten Laden

7. Etappe: erschöpft in den Sessel eines gemütlichen Cafes sinken und die kleinen oder auch großen Erfolge an sich vorbeiziehen lassen, einen Prosecco-Aperol trinken, eine Cafe Latte hinterher, wenn möglich ein kleines, zu der geshoppten Kleidung farblich abgestimmtes Törtchen essen, entspannt den Pokal und die Goldmedaille entgegennehmen und sich selbst feiern.

Auf den Punkt gebracht: Stundenlang macht sich die Frau auf die Suche nach dem perfekten Kleidungsstück, nimmt jede Schnäppchengefahr auf sich, trainiert ihre Arm- und Beinmuskulatur, indem sie sich mit ihren Millionen von Taschen und Tüten von einem Laden zum anderen schleppt, kämpft, kreischt und sich mit anderen Frauen um das kleinste Accessoire prügelt und rennt, jagt und schließlich gewinnt. Möglicherweise denkt MANN jetzt, „Ach das bisschen Shoppen, das ist doch Firlefanz. Sie übertreibt wieder mal total. Das mache ich ja mit links.“ Sorry Jungs, das ist wahre Selbstüberschätzung.

Ist es nach diesem hoch anstrengenden gelungenen Triathlon ein Wunder, dass jede Frau meint, keine andere dürfte das gleiche Kleid wie sie selbst tragen? Schließlich hat sie sich völlig verausgabt, einen gewaltigen Sport gemacht, quasi das bengalische Feuer nach Hause gebracht. Spiel, Satz und Sieg: Ihr Konzept ist aufgegangen und es war perfekt. Muss Frau da nicht wahnsinnig stolz auf sich sein? Und dann stolziert eine andere Frau im gleichen Kleid daher und will tatsächliche die gleichen Strapazen wie sie durchgemacht haben? Nein, nein, nein und nochmals nein.

Zickenalarm 

Kommen wir zum Thema zurück: zwei Frauen, ein Kleid, ein Alptraum. Frau mustert Frau von Weitem. Frau mustert Frau von oben bis unten. Frau läuft um Frau herum. Frau checkt die Rückenlage von Frau. Frau schnalzt verächtlich mit der Zunge. Frau flüstert ihrem Freund etwas zu. Beide lachen. Frau rauscht ab. Andere Frau ist auch mit Freund auf der Party. Freund holt aber gerade Getränke. Steht neben fremder Frau im gleichen Kleid. Mann sieht aus den Augenwinkeln nur das Kleid. Spricht mit fremder Frau. Fremde Frau lacht und flirtet. Mann stellt fest, dass es gar nicht seine Freundin ist. Macht Mann aber nichts. Ist ja das gleiche Kleid. Sieht toll aus. Mann macht Kompliment. Fremde Frau lächelt und zeigt auf andere Frau. Mann winkt ab. Andere Frau ist schockiert. Einzige Möglichkeit: Andere Frau reißt sich das Kleid vom Leib. Steht nun nackt da. Andere Frau ist der Partyknaller. Alle Männer lieben sie. Alle Frauen hassen sie. Unbekannter Freund dreht sich zur nackten Frau. Unbekannter Freund lächelt. Flirtversuch erfolgreich. Paartausch. Mann bekommt das alles erst viel später mit. Wundert sich nur, dass Frau verschwunden ist. Andere Frau auch. Mann geht allein nach Haus.

<< Pech für Mann und alles nur, weil zwei Frauen auf einer Party dasselbe Kleid trugen.

Welches Szenario kann noch entstehen, wenn eine Frau auf einer Party dasselbe Kleid trägt? Automatisch werden beide Frauen miteinander verglichen. Angenommen, die eine ist klein und pummelig, während die andere groß und schlank ist. Na toll – Pat und Patterchon. Patterchon macht sich zum Gespött der Leute oder zieht traurige Blicke auf sich. Patterchon wird nervös. Patterchons Freund merkt die neue Stimmung nicht. Patterchon ist sauer, weil Patterchons Freund so unsensibel ist und Patterchons Freund bekommt einen drauf.

<< Pech für Patterchons Freund und alles nur, weil zwei Frauen auf einer Party dasselbe Kleid trugen.

Kleiner Exkurs zur Oscar-Verleihung 

Zwei Stars im gleichen Kleid, eine brünett, eine blond. Sie klein, die andere groß.  Wer sieht atemberaubender aus? Wen soll die Moderatorin fragen, von wem sie das Kleid hat? Und wenn die Moderatorin die eine Frau fragt, die andere aber nicht, rauscht dann nicht jedwede potenzielle Chance an ihr vorbei, von Hollywood überhaupt noch wahrgenommen zu werden? Aber warum sollte eine Moderatorin einen Star fragen, welches Kleid sie trägt, wenn sie  schon weiß, von wem das Kleid designed worden ist, weil dummerweise einige Minuten zuvor ein anderer Star exakt das gleiche Kleid trug? Sicherlich könnte sich die Moderatorin blitzschnell, wenn sie pfiffig genug ist, eine andere Frage einfallen lassen. Hier aber käme sie vielleicht in ein Dilemma, weil:

a) sie hat klare Anweisungen vom Chef und darf nur diese eine Frage stellen

b) ihre Frage darf sich nur auf das Aussehen beschränken, denn weitere Fragen übernehmen andere Moderatoren

c) was macht sie, wenn der Star nur Kleiderfragen beantworten will?

Ein schierer Alptraum. Was soll Frau Moderatorin also machen? Angenommen, die Moderatorin kann Star 2 nicht ausstehen. Dann wird sie Star 2 gar nicht befragen, sondern ignorieren. Vielleicht wird sie böse in die Kamera zischen, wie peinlich das sei, im gleichen Kleid aufzutauchen und automatisch wird Star 2 zum Gespött der Leute.

<< Die Folge: Imageverlust für Star 2, weil ein blöder Designer zu ehrgeizig war und sein Kleid gleich an zwei Stars geliefert hat.

Angenommen, die Moderatorin findet das Kleid geschmacklos und hässlich, dann könnte sie einmal mehr darüber herziehen und fände vielleicht Gefallen daran, Star 2 und Star 1 ins Lächerliche zu ziehen. Ist sie witzig und intelligent dabei, könnte es für sie einen Karriereschub bedeuten. Wenn nicht, Pech für die Moderatorin, weil sie künftig das Wetter anmoderieren muss.

Doch zurück zur Ausgangssituation: Zwei Stars im gleichen Kleid, Moderatorin weiß bereits, wer der Designer des Kleides ist. Moderatorin entscheidet sich für Ignoranz. Sie lässt den zweiten Star einfach an sich vorbeiziehen.

Übel, wirklich gemein, fies. Star 2 hat sich extra schick gemacht, trägt ein fantastisches Kleid, lächelt das strahlendste, gebleachte Lächeln, will gleich die entzückendsten Antworten geben (hat sie allesamt vor dem Spiegel mit dem perfekten Bleach-Lächeln geübt) und wird von der Moderatorin einfach vorbeigewunken und vom Fernsehen (und somit auch vom Zuschauer) vollkommen ignoriert.

Wie sieht ihre weitere Zukunft aus? Lässt Hollywood sie wie eine heiße Kartoffel fallen? Wird sie jemals noch eine anspruchsvolle Rolle bekommen? Überhaupt noch eine Rolle bekommen? Oder gehört sie dann schon zu dem alten Eisen, zu den Schauspielern, die sich mühsam zum A-Promi hochgearbeitet haben und dann wegen einem Kleid einfach zum B-Promi abgestempelt werden? Wird sie überhaupt noch spielen dürfen oder wird man ihr – wenn überhaupt – die Rolle der geschiedenen, betrogenen Ehefrau, der unglücklichen Mutter über 50 anbieten, auch wenn sie erst 31 ist? Nein. Schluss mit lustig, Karriere vorbei, aus die Maus. Die Folgen sind Drogen, Alkohol, Fettleibigkeit, Falten und Facelifting, was natürlich in die Hose geht, weil sich Star 2 keinen guten Chirurgen mehr leisten kann. Star 2 sieht noch schrecklicher, fertiger aus und jetzt will erst recht keiner mehr was mit ihr zu tun haben.

<< Die weiteren Folgen: Zwangsisolation, Depression und ein Selbstmordversuch. Und das alles nur, weil zwei Frauen auf einer Party das gleiche Kleid trugen.

Allein diese Überlegungen zeigen doch, wie wichtig es für eine Frau ist, dass niemand niemals auf einer Party dasselbe Kleid trägt. Schließlich könnte es das „Aus“ der Karriere bedeuten, das Ende einer langjährigen Beziehung, das Einbüßen der Individualität, das Schüren eines gewaltigen Komplexes oder einfach nur der sportliche Triumph zunichte gemacht werden.

Und nach diesen ganzen Ausführungen über die Strapazen, Vergleiche, Stresssituationen, Teilerfolge, depressiven Party-Verstimmungen und sportlichen Großerfolgen wundert MANN sich, dass es eine Frau stören könnte, wenn eine andere das gleiche Kleid auf ein und derselben Party trägt? Ja Himmel, wo lebt Ihr denn?

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