Mysterium Frauenhandtasche


Bestandsaufnahme einer gut organisierten und durchaus übersichtlichen Handtasche

by Claudia Behr

Grüne Tasche (etwas größer):
Reinschreibebuch, kleines Ideenbuch, Stift, Handy, Pfefferminzdöschen, Zigaretten, Feuerzeug, Portemonnaie, Buch, Schlüssel, Taschentücher, Brille, Sonnenbrille, Kosmetiktäschchen (fortwährender Inhalt: Creme, Minidose Abschminkcreme, kleine Dose Make Up, Lippenstift, Pinsel, Zahnbürste, Lippenpflege, Abdeckpinsel, Kajalstift, Nagelfeile, pflegender Nagelhautstift, Tampon, Mini-Parfüm, Wattestäbchen, Haarzeug, Minibürste mit Spiegel, manchmal Puder, Ersatzspange und Haarklammer, Handcreme
<<< quasi das kleine Badezimmer für den Fall, dass man nicht mehr nach Hause kommt, um das Make Up aufzufrischen bzw. woanders übernachtet

Kleinere Tasche (variiert je nach Tages- und Abendplanung):
Stift, Handy, Pfefferminzdöschen, Zigaretten, Feuerzeug, Schlüssel, Portemonnaie, Taschentücher, Brille oder Sonnenbrille, Mini-Kosmetiktasche (Lippenstift, Tampon, eventuell Puder)

Quadratische Mexxtasche (muss exakt und platzsparend gepackt werden):
Stift, Handy, Pfefferminzdöschen, Zigaretten und Feuerzeug, Schlüssel, Portemonnaie, Taschentücher, eventuell Brille für Kinobesuch (Platz könnte aber knapp werden, d.h. bei Kinobesuch besser eine andere Tasche nehmen, sonst nervt das ständige exakte Ein- und Auspacken), Lippenstift oder Lippenbalsam

Minitasche (extrem reduzierter Inhalt):
Zigaretten, eventuell Feuerzeug, Pfefferminz, eventuell Handy, Geld ohne Portemonnaie, Taschentücher, Lippenstift, Schlüssel

Stiefel: (wenn man keine Lust hat, eine Handtasche bei sich zu tragen, z .B. an Karneval oder auf Konzerten):
Schlüssel, Geld im Strumpf, eventuell EC-Karte (aber bloß nicht beim Geld holen auf die Idee kommen, nach einem halben Jahr Kontoauszüge zu ziehen >>> die haben definitiv keinen Platz im Schuh, sondern beulen ihn nur aus.)

Im Gegensatz zu anderen Frauenhandtaschen sind die Taschen, die ich besitze, ziemlich klein und leicht. Ja wirklich, ich kenne Handtaschen, die schwerer als eine Umzugskiste sind. Frage ich dann die Besitzerin, was denn alles in dieser Tasche steckt, so ist die Antwort meist ein Schulterzucken. Riskieren wir einen Blick in besagte Tasche: ein Buch, Handy, Bürste, Nagellack, drei Zeitschriften, Laptop, Lippenstift, Schuhe, Ersatzschuhe, Strümpfe, Ersatzstrümpfe, CD-Player, ein Rasenmäher, drei Blöcke Zement und viele dicke Kieselsteine.

Sicherlich könnte man jetzt fragen, wofür man einen elektrischen Rasenmäher, drei Säcke Zement oder dicke Kieselsteine in der Handtasche braucht. Besser wäre es allerdings, die Tatsache einfach hinzunehmen und zu glauben, dass es durchaus Situationen geben könnte, in der man einen elektrischen Rasenmäher, drei Säcke Zement oder dicke Kieselsteine tatsächlich ganz gut brauchen könnte. Befindet man sich beispielsweise in der afrikanischen Savanne und möchte man die wilden Tiere live in der freien Natur beobachten, so ist ein elektrischer Rasenmäher durchaus hilfreich. Denn das hohe Steppengras verdeckt doch häufig den direkten, unverfälschten Blick zu den Tieren.

Will man zudem eine Elefantenhorde von Nahem miterleben, so empfiehlt es sich, mit Tricks zu arbeiten. Wie wir wissen, sind Zement und dicke Kieselsteine grau und die meisten Elefanten sind es auch. Also könnte Frau sich mit den drei Säcken Zement (die sie deshalb liebend gern in ihrer Handtasche durch die afrikanische Savanne schleppt) einstäuben, sich in einer kleiner Schlammlache wälzen, ein paar Kieselsteine aufkleben, ein wenig am Körper herumformen und kneten, bis sie selbst einem Elefanten ähnelt. Und schwupp – wird sie als Elefant gut getarnt und unentdeckt das wahre und wirkliche Leben einer Elefantenhorde kennenlernen. Schade nur, dass sie nicht die Vuvuzuela eingepackt hat. Damit wäre sie noch authentischer gewesen.

Worauf ich hinaus will: Es gibt nichts, was Frau sinnlos in eine Handtasche packt. Stellt man allerdings die Umkehrfrage, warum die Handtasche denn nicht mal sinnvoll entleert wird, sieht das Ganze schon etwas anders aus. In diesem Fall würde Mann vielleicht herausfinden, dass ein elektrischer Rasenmäher, drei Säcke Zement und dicke Kieselsteine zwecks Tierbeobachtung in der afrikanischen Savanne durchaus Sinn machen, im Alltag aber (und vor allem in der Fußgängerzone beim Shoppen) tatsächlich sinnlos wären.

Zeit für eine kleine evolutionäre Theoriestunde
Männer haben sich als Jäger und Frauen als Sammler entwickelt. Was jagten die Männer? Große, sperrige Tiere, die sie bis zum Lagerfeuer mühsam hinter sich herzogen. Warum taten sie das? Weil sie keine passende Tasche hatten. Und wenn es ein kleines Rebhuhn oder ein anderes Vogeltier war, dann schmissen sie es sich locker auf die Schultern. Alle Werkzeuge, Waffen und Messer schnallten sie sich um ihre Hüfte und gut war. Sie brauchten also keine Tasche.

Die Frauen aber waren Sammler. Was sammelten sie? Rote Beeren, grüne Kräuter, braune Wurzeln, graue Steine, kleine Brennhölzer, ein paar bunte Federn…kurz: Sie sammelten alles, was essbar und schön war. Da das Meiste wirklich klein war, mussten sie es so verstauen, dass sie es über einen längeren Zeitraum gut transportiert konnten. So erfand die Frau den Rucksack. Später kamen der Koffer, der Trolley, der Kinderwagen, die Schultertasche, die Handtasche, die Schminktasche, die Dekotasche, die Babytasche und der HipBag hinzu. Warum stopft Mann eigentlich alles in seine Hose- und Manteltasche, wenn es soviel Taschenarten gibt?

Und warum meint er, dass selbst in der kleinsten Frauentasche unbedingt noch Platz für sein riesiges Portemonnaie, seinen sperrigen Schlüssel, sein Handy, das Navigationssystem und noch ein Haufen anderer Dinge ist? Und warum bitte schön bietet er der Frau an, dass er gern ihre Tasche tragen will, wenn sie ihr zu schwer wird? Was hat Mann eigentlich gegen eine eigene Tasche? Und wenn er nichts gegen diese eigene Tasche hat, warum kauft er sich nicht eine? Wird es nicht endlich Zeit, diesem albernen Taschenkomplex männlich entgegenzutreten?

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