Über das Kennenlernen


Es doziert für Sie: U. Döring

Frage: Aus der Sicht des Mannes: Wie schnell sollte man sich aus der Sicht des Mannes kennenlernen? Bzw. wann und vor allem wie sollte man sich näherkommen?

Soll das ein Witz sein? Das fragt man einen Mann? Den Erfinder des Puffs und der Triebsteuerung? Na gut. Versuchen wir das Ganze mit der nötigen Ernsthaftigkeit anzugehen. Denn schließlich spüre ich ernsthaftes – wenn nicht sogar brennendes – Interesse hinter dieser Frage. Nämlich daran, wie Frau uns Männer ein bisschen besser kennen lernt. Und uns natürlich näher kommt. Hoffentlich geht das nicht zu schnell.

SeMannTik

Beginne ich doch mal so. Mit der Semantik. Ich glaube, in der Sprache des Mannes hat das Wort „Kennen lernen“ zumeist eine völlig andere Bedeutung als in den Sprachen anderer Geschlechter. (Ja, wir Männer können auch rätselhaft sein, wenn wir uns anstrengen. Schon wieder `ne weibliche Bastion geknackt. Aber am besten können wir natürlich immer noch anstrengend sein.)

Die rhetorische Frage „Willlst Du mich kennen lernen?“ ist im Grunde als Aufforderung gedacht, sich körperlich näher zu kommen – in den meisten Fällen auf verletzende Weise, zum Beispiel von Faust und Gesicht. Je nach Kontext muss es nicht körperlich gemeint sein, aber auf jeden Fall suggeriert es dem Mann unangenehme bevorstehende Erfahrungen. Zum Beispiel Stubenarrest, Nachsitzen oder Beischlafverbot. Ich vermute, dies begründet unbewusste Urängste, die viele von uns Männern gegen den Prozess des Kennen Lernens haben.

Kontaktfreude pur

Natürlich haben Männer keine Probleme damit, bestimmte Dinge kennen zu lernen: Neue Kneipen, neue Tricks für die Playstation und Schnapssorten zum Beispiel, selbst wenn vor allem letztere auch Schmerzen verursachen können. Aber darauf zielt die Frage natürlich nicht ab. Selbstredend geht es wieder einmal um das bittersüße Techtelmechtel zwischen Männlein und Weiblein. (Ich habe den Eindruck, darum geht es ohnehin um eine überproportional hohe Zahl von Fragen, mit denen ich mich auseinandersetzen darf…dabei gibt es doch noch so viele anderen schönen Rätsel in der Welt des Mannes zu klären, wie Technik und Kneipen…wirklich, als gäbe es für uns nur Frauen…schade halt, verpasste Gelegenheiten.)

Widmen wir uns also dem zwischenmenschlichen Beziehungsgeflecht. Für das näher kommen zwischen Mann und Frau ist der Mann sehr zu gewinnen! Das kann im Prinzip gar nicht schnell und nah genug gehen! Wenn Sie es darauf anlegen, werte Leserin, werden Sie sich womöglich wundern, wie dankend der Mann ein Angebot annehmen wird, noch reinzukommen. Und er denkt dann meistens nicht nur an die Wohnung und schon gar nicht „auf nen Kaffee“. Das „wie“ kann dabei getrost vernachlässigt werden. Das bedarf weiß Gott keiner besonderen Technik. Signalisiert das Weibchen Interesse, schaltet der männliche Verstand sich automatisch ab. Im Übrigen wertet der Mann jegliche halbwegs wohlwollend vorgetragene weibliche Kontaktaufnahme als das Angebot für einen gemeinsamen Paarungsakt.

Halt Abstand

Soweit ist es für den Mann noch ganz schön und gut. Doch was das Kennenlernen angeht…da kommt er schon ins Grübeln. Wobei: „Grübeln“ hat mir jetzt schon zu viel mit denken zu tun. Neinnein. Ich glaube, das läuft eher unterbewusst ab. In der Männerwelt findet so ein klassisches zwischenmenschliches Kennenlernen im Grunde nicht statt.

Das bezieht sich nicht nur auf Frauen. Männer lernen sich auch untereinander nicht wirklich kennen. Was auch gut sein kann. Denn vermutlich ist das der Grund für den Sinnspruch, dass wahre Freundschaft nur zwischen Männern existiert. Das könnte zwar auch am Rumgezicke zwischen Frauen seinen Ursprung haben – aber wahrscheinlicher erscheint es mir, dass der Mann ein großer Künstler darin zu sein scheint, ja nicht zu nah an andere Menschen heranzukommen. Männerfreundschaften sind gemeinsame Kneipenbesuche oder Fußballabende, Grilltipps, Blondinenwitze und so weiter.

Die geheuchelte Frage: „Und wie geht’s Deiner Frau“ ist unmittelbar verknüpft mit dem Gedanken „wie hieß die eigentlich noch?“ Und die gequälte Antwort „Gut“ mit dem getriebenen Gedanken „Was interessiert den meine Frau? Haben die was am laufen?“ Und so nippt man am Bierglas und hegt die Männerfreundschaft.

Aber wieso sollte man eine Frau kennenlernen? Da ist der Mann überfragt. Genauso gut könnte man ihn fragen, ob er sein Mittagessen kennen lernen möchte. Was interessiert ihn, ob das Steak mal ein glückliches Rind war. Oder ein wahnsinniges. Es interessiert ihn nicht die Bohne, ob sein Steak Sonnenaufgänge gerne hatte. Der Mann kann nur mit den Achseln zucken und sich wünschen, dass das Gespräch schnell in eine andere Richtung gelenkt wirkt. Zum Beispiel auf Vergaser.

Was soll das mit dem „Kennenlernen“? Was ist das bitteschön für eine bescheuerte Frage? Seine Alte ist halt da. Sie hat hin und wieder Migräne, motzt über ihre Kollegin, interessiert sich für irgendwelche blöden Soap-Operas und wünschte sich zu Weihnachten irgend so ein Dings. Ach ja. Sie quengelt ziemlich viel und schnarcht. Aber was soll`s. Könnte auch schlimmer sein. (Das ist männlicher Zweckoptimismus.)

Wäre der Mann etwas aufgeschlossener, würde er sie vielleicht fragen, wovon sie träumt, die Frau…wie es sich anfühlt, ständig unter Migräne zu leiden oder was sie an Blumen findet, die nur blöd rumstehen, die man nicht aus- oder anmachen kann und die ziemlich schnell anfangen zu welken und zu stinken. Das ist dem Mann alles egal, solange er gelegentlich machen kann, was er will. Dann bekommt sie zum Geburtstag halt Blumen, auch wenn er das für eine fatale Fehlinvestition hält. Wenn dann Ruhe ist – bitteschön.

Die bittere Wahrheit

Die schreckliche Antwort auf die Frage des Kennen Lernens lautet also: Der Mann lernt die Frau nicht kennen. Er gewöhnt sich viel mehr an sie. Man ist halt so zusammen. Im besten Fall lernt Mann die Frau aus Versehen ein wenig kennen. Weil es sich nicht immer vermeiden lässt. Aber das bedeutet ausdrücklich nicht, dass er die Frau auch versteht. Die Evolution hat uns bewiesen, dass das nicht möglich ist. Warum sollte man es dann versuchen? Liebe Frauen, das hat nichts mit Ignoranz zu tun, sondern mit Pragmatismus.

Das klingt ganz schön bitter. Ist das alles wirklich so? Die Antwort ist einfach: Jein! (Meine Lieblingsantwort!) Zum einen ist das natürlich nur eine These. Und was noch schlimmer ist: Von mir! Wer mich so was fragt, muss mit so einer Antwort immer rechnen. Zum anderen glaube ich, dass es eine ganze Reihe von Ausnahmen geben könnte, die diese These untergraben. Oder, was besser klingt, die diese Regel bestätigen. Zum Beispiel mich.

Philosophische Einsichten

Obwohl ich zu wissen scheine, dass ich Frauen nie wirklich verstehen kann, lasse ich nichts unversucht, sie kennen zu lernen. Nur weil es nicht geht, heißt das ja nicht, dass man es nicht wenigstens versuchen sollte. Ich bin eben kein so blöder Pragmatiker-Arsch.

Doch spätestens wenn es darum geht, die weibliche Vorliebe für Blumen zu ergründen, klinkt sich meine Vorstellungskraft leider aus. Kann ich genauso wenig verstehen wie den Umstand, dass Dieter Bohlen zu Ruhm gekommen ist.

Warum mache ich mir die Mühe? Weil ich mich mit einem „das geht eben nicht“ nicht zufrieden geben will. Das Kennenlernen muss man doch lernen können. Aber das ist nicht so einfach. Wenn man mal so darüber nachdenkt: Wie gut kennt man sich eigentlich selbst?

Ich bin ja jemand, der gerne schon mal nachschaut, was er sich so im Laufe der Zeit unter den Teppich gekehrt hat. Fragen sie mal meine Wohnung. Im Schnitt ist alle 15 Jahre Großreinemachen angesagt. Und wenn schon ein weibliches Individuum (mit möglicherweise vorwurfsvollen Blick) auf den Teppich deutet, will ich ihn natürlich gerne lüften.

Wie und wann habe ich mich eigentlich kennen gelernt? Oder habe ich mich nur an mich gewöhnt? Wenn ich es aufrichtig betrachte, habe ich mich schon ein paar Mal zu `nem Kaffee bei mir eingeladen. Um mal ganz schonungslos offen zu sein, habe ich sogar schon ein paarmal mit mir geschlafen. Genau genommen ziemlich oft sogar. Meine Eltern meinen, sogar schon als Kind, was ich für unglaublich halte. Und man will tatsächlich gesehen habe, wie ich mit mir im Klo verschwand, um erleichtert zurückzukehren. Man kann also sagen, dass ich mir schon näher gekommen bin.

Aber weshalb ist blau meine Lieblingsfarbe? Und was sagt das über mich aus? Weshalb finde ich einen Fußballverein gut, den viele andere hassen? Will ich etwa gehasst werden? Und weshalb bin ich Heterosexuell? Bedeutet das, ich negiere mein eigenes Geschlecht? Fühle mich unvollständig? Ist in meiner Kindheit etwas schief gelaufen? Und was hat mir Dieter Bohlen je getan, dass ich ihn so ablehne? (Die Antwort fällt mir gerade ein: Mir hat er nichts getan – nur der Menschheit.)

Auf das Meiste davon habe ich im Moment keine Antwort. Ich weiß also nicht, ob ich wirklich weiß, wer ich bin. Aber wer kann das schon ehrlicherweise von sich sagen? (Wer diese Frage mit „Ja“ beantwortet, wird kurzfristig zu eingehenden psychologischen Studien vorgeladen. Bitte melden Sie sich gerne.) Finde ich aber auch nicht so schlimm. Ich bin halt, wie ich bin. Ein netter, cooler, manchmal auch etwas uncooler Typ, der noch so ein bisschen an sich arbeiten kann. Zum Beispiel am Bauchumfang und am Kopfball. Und was das Wichtigste ist: Ich unternehme gerne was mir. Und mit meiner Freundin – selbst wenn ich sie gar nicht kennen sollte.

Fazit

Das Fazit ist wohl: Man lernt sich wohl nie so richtig kennen. Die anderen nicht – und sich selbst auch nicht. Und wenn man sich eh nicht so richtig kennen lernt, kann man es im Grunde ja auch gemeinsam tun. Ich glaube, das kann Spaß machen. Versuchen Sie doch einfach, dem Mann Ihres Herzens ein wenig näher zu kommen – gerne auch mit etwas Nachdruck in Form von verführerischer Reizwäsche.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s