„Was geht ab…beim Fußball?“


by Claudia Behr

Mein Fußball…dein Fußball…ist Fußball nicht für alle da? Heißt es nicht immer: Unser Fußball – Volkssport Nummer 1? Und warum gibt es auch hier diesen berühmten kleinen Unterschied zwischen Männern und Frauen? Was hat es damit auf sich, dass manche meinen, Fußball gehöre den Männern?

Traurig, aber wahr: Gerade lief die WM der Frauen und keinen interessierte es. Nicht eine Deutschland-Fahne habe ich an den Häusern oder an den Autos gesehen. Rudelgucken? Fehlanzeige. Eine Fahne im Gesicht? Nö. So geht das nicht, liebe Mädels. Wir müssen was tun. Wir müssen zusammenhalten! SO. Das musste mal gesagt werden.

Und jetzt Butter bei die Fische…Es gibt wohl kaum einen anderen Bereich, bei dem auch gestandene, hart gesottene Männer soviel Emotionen zeigen wie beim Fußball. Zwei Denkanstöße hierzu:

a) Beim Fußball darf harter Mann endlich mal wieder emotional sein. Und dann tritt Frau auf. Die Folge: Mann muss wieder männlich sein. Mann kann ja nicht vor Frau wegen rollendem Ball und Tor weinen. Ist ja nicht logisch, macht keinen Sinn, ist nicht männlich. Machen nur Frauen, wegen Unsinn weinen. Mann will sich aber vor Frau nicht blamieren. Gefühlsstau.

b) Mann benimmt sich beim Fußball absolut unmännlich. Weint, kreischt, schmollt, stampft mit dem Fuß auf, verstrickt sich in widersprüchlichen Aussagen, zieht sich beleidigt zurück, will mit niemandem sprechen und schon gar nicht mit der Frau. Die männlichen Freunde verstehen ihn. Frau nur bedingt.

Fakt ist aber: Die aufgezählten Reaktionen sind nach allgemeingültiger Auffassung unmännlich und da sie eben unmännlich sind, werden sie automatisch für weiblich gehalten (was ja an sich erschreckend ist, aber hey, dafür sind wir Frauen doch da). Und harter, männlicher Mann will eben nicht für unmännlich oder als Weichei gehalten werden bzw. von der Frau als emotionales Wesen erkannt werden. Mann im Dilemma. Die Folge: Gefühlsstau kämpft gegen Männlichkeit.

Vielleicht stört es die Männer aber auch, dass sich Frauen ausgerechnet beim Fußball so verhalten, wie sich sonst eigentlich Männer verhalten. Das heißt, die Männer werden mit ihrem eigenen Spiegelbild konfrontiert. Beim Fußball denken die Frauen nämlich endlich mal rational und absolut nicht emotional. Dass das so manchem Mann negativ aufstößt, ist nicht verwunderlich. Denn wenn Fußball für ihn „hochkonzentrierte und auf den Punkt gebrachte Emotion“ bedeutet und sich eine Frau in diesem Feld rational und unemotional bewegt, dem Mann daher wie ein unsensibler Gefühlstrampel vorkommt (weil er gerade auf dem EMOTIONS-Trip ist), wird sein Weltbild schön erschüttern.

Dabei ist es doch so: Frauen müssen nicht den ganzen Fußballhimmel verstehen. WM und EM reichen vollkommen aus, um in Fußballfragen auf dem Laufenden zu bleiben. Die Party wird mitgenommen, darüber muss man nicht reden. Schick machen? Nö, Trikot reicht. Schminken? Bisse jeck? Wenn, dann nur Flaggenfarben ins Gesicht. Und dann ist aber auch gut. Klingelt da was?

Kann es sein, dass die Männer es den Frauen übelnehmen, dass sie die Fußball-Domäne nutzen, um absolut unemotional die männliche Arena zu betreten und sie später einfach links liegen lassen? Verstehen Männer deshalb kurzfristige Fußballfaninnen nicht, weil sie glauben, dass Frauen durch und durch emotionale Wesen sind und niemals gedacht hätten, dass es durchaus Bereiche gibt, die Frauen rational sehen könnten? Und das ausgerechnet beim Fußball!

Oder fühlen sie sich von den Frauen missverstanden und verraten, weil ihnen eigentlich zum Heulen zumute ist, sie ihre wahren Gefühle aber nicht zeigen dürfen, da sie ja nicht mehr nur unter Männern sind? Gefühle hin oder her – es ist nicht einfach für den Mann. Zeigt er seine Gefühle, verrät er, dass er zu Emotionalität imstande ist. Nur eben dann nicht, wenn es Frau erwartet.

Wollen die Männer deshalb lieber unter sich bleiben, weil Männer sich niemals gegenseitig verraten würden? Aber hat schon irgendein Mann darüber nachgedacht, dass die Frau ihn herzzerreißend süß finden könnte, sollte er tatsächlich ein paar Fußball-Tränen vergießen?

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