Esoterik


Frage: Wie stehen Männer zur Esoterik?

von Uli Döring, natürlicher Rutengänger

Die Welt der Esoterik ist etwas, das dem Mann weitgehend verschlossen ist. Die Erklärung könnte ich mir einfach machen: Ist zu anstrengend. Warum mit nervenaufreibenden Meditationsübungen und Yoga zur Ausgeglichenheit und Bewusstseinserweiterung kommen, wenn man das auch mit Bier und ein paar Joints erreichen kann?

Aber so einfach will ich es mir und Ihnen nicht machen. So einfach ist es auch nicht. Woher kommt dieser bedauernswerte Mangel an Anderswelt-Offenheit? Gehen wir der Sache mal auf den Grund.

 Die Welt des Mannes

Wir Männer sind praktisch veranlagt. In unserer Welt müssen sich Sachverhalte erklären lassen. Oder sich mit unserem Erfahrungshorizont decken. Ein Mann muss raffen können, wie etwas funktioniert. Und wenn das nicht der Fall ist, sollte es zumindest als passiver Zuschauer Spaß machen. Sonst ist das alles nix. Deswegen gibt es auch Fußball zur Prime-Time und boomt die Porno-Industrie schon seit Jahrzehnten. Deckt sich zwar nicht unbedingt mit dem männlichen Erfahrungshorizont, kann man sich aber ankucken. Niemals würde der Mann sich eine Meditations-WM anschauen.

Scheinbar sucht der Mann keine Flucht in andere Welten (lassen wir Fußball, Alkohol, Play-Station und Pornos mal außen vor). In der Tat gibt es sogar eine Reihe von Männern, die mit hervorragenden Filmen wie „Star Wars“ und „Herr der Ringe“ nichts anfangen können. Weil sie zu unrealistisch sind. Komischerweise scheinen wir Männer aber Pornos mit ständig willigen Topmodels für realistisch zu halten.

Der Mann sagt sich: „Schließlich lebe ich in DIESER Welt.“ (Das muss er folgerichtig annehmen, denn mit anderen befasst er sich ja nicht.) Und wenn man felsenfest davon überzeugt ist, im Hier und Jetzt zu leben…warum sollte man sich dann mit Reinkarnation oder Rückführung beschäftigen? Womöglich kommt dabei heraus, dass er mal Hitler war. Aber was bringt diese Erkenntnis? Erklärt höchstens, dass er lieber Urlaub auf Malle macht als in Russland.

Mann als Frau

Apropos. Reinkarnation, die Lehre der Wiedergeburt. Nun, um ehrlich zu sein, könnte der ein oder andere Mann damit möglicherweise etwas anfangen. Wenn er sich zum Beispiel damit befasst, als Frau wiedergeboren zu werden. Da steigen wir doch gleich mal in die männliche Zukunftsplanung ein.

Den ganzen Tag würde er an sich herumspielen. Und multiple Orgasmen würde er haben können. (Eine der ganz wenigen Sachen, auf die der Mann bei der Frau echt neidisch ist!) Aber was würde dann aus dem „im-stehen-Pinkeln“ werden? Da wägt er dann ab. Höhere Werte kommen ihn in den Sinn: Wenn er multiple Orgasmen haben könnte, würde er sich vermutlich die ganze Zeit selbst befriedigen. Er würde seinen Job verlieren und verwahrlosen. Für den Fall, das besagter Mann ein Präsident ist (auch diese Lesergruppe begrüße ich an dieser Stelle ganz herzlich): Wer würde dann das Land regieren? Und Kriege führen? Und wenn er dann darauf kommt, dass er dann die ganze Zeit von Arschgeigen wie er selbst angebaggert wird, gibt er spätestens den Gedanken auf.

Goldene Regeln für den Mann

Es scheint so, als habe die Evolution dem Mann hinsichtlich eines bewusstseinserweiternden Wohlbefindens drei goldene Regeln mit auf dem Weg gegeben.

  1. Es muss einfach sein.
  2. Es muss knallen.
  3. Man muss damit angeben können.

Prügeln, Komasaufen oder pumpen gehen ist gut. Meditieren hingegen eignet sich irgendwie nicht sonderlich für Thekengespräche.

„Hey Alda, ich hab gestern 60 Minuten meinen Geist geöffnet!“

Um uns nicht falsch zu verstehen: Meditieren IST eine Leistung! Es ist wirklich schwer, an nichts zu denken und die Gedanken fließen zu lassen. Viel schwerer, als ein Bier zu trinken. Auch da nimmt der Mann vielleicht an, an nichts zu denken, aber er tut es ja doch, wenn er ehrlich ist. Und wenn es nur „Mund auf-gluckgluck“ ist. Aber wirklich an nichts zu denken, macht dem Mann Angst. Womit beschäftigt er sich denn dann? In der Zeit könnte er doch gut ein Haus anstreichen, ein Kind zeugen oder einfach mal schön kacken gehen! So sind wir Männer. Immer produktiv. An „Nichts“ denken kommt erst wieder aufs Tablett, wenn die Frau ihn fragt, woran er gerade denkt.

Fazit

Beim Mann müssen die Dinge in seine kleine, wohlsortierte Welt passen. Klangschalen eignen sich bestenfalls dafür, Chips darin aufzubewahren. Ob oder wie das klingt, ist dem Mann so ziemlich egal. Er bekommt das meist gar nicht mir, weil der Fernseher viel zu laut ist. Beim Thema „Steinmassage“ schaltet er auch sofort ab. Was soll das bringen, einen Stein zu massieren? Und selbstredend macht er sich auch nichts aus Tarot. Wenn man Karten spielt, spielt man gegeneinander und es muss einen Sieger geben. Warum spielt man denn sonst bitteschön? Pendeln ja – aber nur zur Arbeit. Reiki? Nein danke. Raki? Sehr gerne, von ihm aus auch zwei. Und Selbstfindung? Wozu soll der Mann sich suchen? Schließlich weiß er meistens noch, wo er sich hingetan hat. Im schlimmsten Fall ist er neben sich.

Um unsere innere Mitte zu finden, brauchen wir Männer eigentlich nur eines: Den meditativen Akt des Aufbaus eines IKEA-Regals. Das Knobeln und Tüfteln lässt uns eins werden mit dem Universum und führt uns auf den goldenen Weg der Erkenntnis. Und es führt auch noch zu einem schönen Interieur. Dass es schön ist, interessiert den Mann eigentlich nicht. Aber seine Frau. So kann er ihr seine Zuneigung zeigen und muss Gottseidank nicht mitmeditieren.

Sollte es mit dem IKEA-Regal mal nicht klappen – was ja schon mal vorkommen soll – dann haut er einfach dem Verkäufer im Möbelhaus eine rein. Das macht auch ganz wunderbar ausgeglichen.

In diesem Sinne: „Wohnst Du noch – oder schlägst Du schon?“

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