Männer in offenen Gesprächsrunden


Es moderiert für Sie: Uli Döring, Männerversteher

Frage: Warum sind Männer in offenen Gesprächsrunden meist verschlossen, einsilbig und wortkarg?

Hm. Was ist das jetzt für eine Frage? Als Zierde meines Geschlechts frage ich erst einmal: Was ist denn bitteschön eine offene Gesprächsrunde? Hab ich noch nie gehört. Hat das was mit Möpsen zu tun? Hm. Wahrscheinlich nicht.

Um meine Unwissenheit zu überspielen bestreite ich vielleicht erst einmal, dass an diesem vermeintlichen Klischee etwas dran ist. Abstreiten ist immer gut. Und auch wenn man eigentlich gar nicht weiß, worum es geht, kann man ja trotzdem eine Theorie haben.

Nehmen wir einfach mal an, dass es sich um eine Veranstaltung handelt, bei denen sich Menschen unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher Herkunft treffen, um offen über ein beliebiges Thema zu diskutieren. Der Hinweis auf „unterschiedliches Geschlecht“ erscheint mir wichtig, da es sich bei einer reinen Männerveranstaltung wohl eher nicht um eine „offene Gesprächsrunde“, sondern um eine „verschlossene Schweigegruppe“ handeln dürfte.

Wahrscheinlich spielen hier viele Faktoren eine Rolle. Zum Beispiel, ob der männliche Teilnehmer aus freien Stücken mit von der Partie ist oder ob er von einer Frau oder seinem Vorgesetzten dazu gezwungen wird. Es könnte sich natürlich auch um Bewährungsauflagen handeln. So etwas drückt ja gerne den Enthusiasmus.

Vor allem aber wäre zu wissen: Um welche Männer und welches Thema geht es überhaupt in dieser Gesprächsrunde? Wenn Bäckerlehrlinge über das Bruttosozialprodukt von Armenien diskutieren sollen, hätte ich schon einen gewissen Verdacht, was die Einsilbigkeit betrifft.

Auch die „Geschichte der Menstruation“ dürfte eher die Einsilbigkeit fördern. Wenn ein Thema selbst unter Frauen eine als „Geschichte voller Missverständnisse“ bezeichnet wird, hält sich der Mann lieber zurück. Falls Gynäkologen anwesend sein sollten, kann das durchaus anders aussehen. Denn wenn der Mann mit Fachwissen glänzen kann, ist es mit der Zurückhaltung schnell vorbei. Vor allem, wenn er damit eine Frau ins Bett kriegen kann. Glauben Sie mir.

Würde es um Themen wie „die neuesten Egoshooter“ handeln, könnte ich mir ebenfalls eine rege männliche Beteiligung vorstellen. Ich frage mich sogar: Wären bei so einem Thema nicht eher die Frauen ein wenig verschlossen und abwartend?

Ich ziehe die Frage zurück.

Frauen plappern nach meiner Erfahrung auch bei völliger Unwissenheit munter mit. Einfach, um sich Gehör zu verschaffen. Das ist durchaus anerkennend gemeint. Da gehört schon was zu. Und sie können mit ihren Beiträgen der Diskussion eine völlig unerwartete Richtung geben.

„Du spielst immer diese blöden Ballerspiele! Du könntest ruhig auch mal mit mir shoppen gehen!“

Und schon wäre es das gewesen mit unserer fiktiven Männergesprächsrunde zum Thema „Egoshooter“. Da freut man sich über Gamer-Erfahrungsberichte und alles endet damit, dass man sich schuldig fühlt. Weiber. Ist wohl eine Erklärung, weshalb es so wenig Gesprächsrunden zu Egoshootern gibt.

Aber mal losgelöst von sozialer Herkunft oder Themenauswahl: Es gibt wahrscheinlich noch andere Aspekte, weshalb sich Männer in „offenen Diskussionsrunden“ eher zurückhalten.

Nach meinem Verständnis schließen sich „Mann“ und „offene Gesprächsrunde“ irgendwie schon begrifflich aus. Für den typischen Mann hat das viel zu viel mit diskutieren und demokratischer Entscheidungsfindung zu tun.

Genetisch bedingt ist der Mann nicht besonders redselig und macht Dinge gerne mit sich alleine aus. Denken Sie nur an Clint Eastwood oder den Marlboro Mann. Der einsame Wolf und seine Herde Rindviecher. Der Mann schweigt, schaut cool (wahlweise auch grimmig) in der Gegend rum und gibt die Richtung vor. Da ist kein Platz für Mitbestimmung. Die alten Marlboro-Werbespots würden auch deutlich an Aussage verlieren, wenn die Rinderherde zunächst mal eine offene Diskussion über Reiseziel, artgerechte Haltung oder Zigarettenkonsum angestoßen hätte.

Überhaupt ist der Mann gewohnt, auf den Tisch zu hauen. Warum argumentieren, wenn man auch diktieren kann. Oder auch einfach nur pöbeln. Die „offene Gesprächsrunde“ des Mannes ist der Stammtisch. Da wird nicht ergebnisoffen diskutiert, sondern schon lange feststehende Meinungen ausgetauscht. Notfalls auch mit der Faust. Aber auf jeden Fall auf vertrautem Terrain: Viel Polemik, hohe Dezibel-Zahl, laufende Bierversorgung und in der Regel ohne Frauen.

Besonders wortkarg gibt sich der Mann, wenn andere Frauen um ihn herum sind. Wenn man als Frau mal ganz genau hinhört, stellt man wahrscheinlich fest, dass der Mann auf bestimmte Fragen gar nichts erwidert – oder nur einen Grunzlaut von sich gibt. Typische Dialoge sind:

„Woran denkst Du gerade?“ – „Hmnnxx“

„Findest Du, dass mir das steht? – „Jannajajanajanö“

„Findest Du mich zu dick?“ – „Hmgngngngllgll.“ (Auf-die-Zunge-beiß)

Woran das liegt, weiß ich gar nicht so genau. Eventuell hat das mit Imagepflege oder strategischen Überlegungen zu tun. Wahrscheinlich schläft der Mann aber aus diesem Grund auch gerne unmittelbar nach dem Sex ein oder verschwindet unter einem Vorwand. Mein neuer Vorschlag hierfür wäre: „Sorry, ich muss zu meiner offenen Gesprächsrunde. Wir diskutieren heute über Vergaser.“

Apropos „strategische Überlegungen“: Gerne auch lässt der Mann auch erstmal andere machen. Er wartet ab und schaut, was geschieht. Oft löst sich das Problem dann von ganz alleine (z. B. der Abwasch). Das basiert auf einer alten buddhistischen Einsicht: Einfach den Dingen ihren Lauf lassen. Das funktioniert nicht nur in der Wirtschaft oder im Haushalt, sondern in allen möglichen Situationen. Auch in Diskussionsrunden.

Ich nehme an, dass offene Gesprächsrunden, in denen Männer gar nichts beitragen, damit enden, dass die Frauen sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Der Mann wird sich dieses Schauspiel vermutlich interessiert anschauen und sich denken „alles richtig gemacht.“ Dann steht er auf, fragt rhetorisch „braucht ihr mich noch?“ und steigt in sein Auto, mit dem er im Sonnenuntergang verschwindet, während er von der Zeit träumt, als es noch keine offenen Gesprächsrunden gab. Nur ihn – und die Rindviecher.

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Ein Kommentar zu “Männer in offenen Gesprächsrunden

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