…1…2…3!!!


by Claudia Behr

Karneval. Ich liebe Karneval, weil man sich endlich so verkleiden und so geben kann, wie man möchte. Grundsätzlich überlege ich mir schon Monate vor Altweiber, als was ich gehen möchte und schaffe es dann meist am Abend zuvor, mich hinzusetzen und ein kreatives Kostüm zu basteln. Die Form der Kurzfristigkeit kann selbstverständlich ein Problem werden und zu einer Krise führen. Nämlich dann, wenn das Kostüm „Bob der Baumeister“ geplant war und man von einem Pseudo-Bob zu einem debilen Playmobil-Männchen mutiert ist, woran die Prinz-Eisenherz-Perücke Schuld ist, die einem so fantastisch steht.

Grundsätzlich bin ich der Verfechter der intelligenten und kreativen Kostüme. Nur leider sind das immer die Kostüme, die die meisten gar nicht oder nur schwer erraten, weil die Denksynapsen bereits aus dem Gehirn geflutscht sind. Beispielsweise war ich mal als „Running Gag“ verkleidet: Im Jogger und mit einem Schild, auf dem  „GAG“ stand, zog ich durch die Massen und bat immer um Witze, die mir die Leute erzählen sollten. Wenn sie gut waren, rannte ich los.
Fazit: Zum Kennenlernen ungünstig.

In einem anderen Jahr machte ich endlich einen lang gehegten Wunsch für eine Motto-Party zum Thema Krankheiten wahr und verkleidete mich als „Alzheimer“. Überall hatte ich kleine Schilder mit „Naht“, „Pullover“, „Stoff“ kleben und hatte sogar eine Checkliste dabei, damit ich ja nichts vergessen würde. Weil ich so authentisch wie möglich sein wollte, beschloss ich, auch alle Namen und Gespräche sofort wieder zu vergessen, was man mir ziemlich übel nahm.
Fazit: Zum Kennenlernen ungünstig. Das Gute daran: Kann man schnell vergessen.

Dann war ich als Wasser verkleidet, also kunstvoll in allen möglichen schimmernden Blautönen…auch im Gesicht…Das Ergebnis war, dass sich alle über mich lustig machten und schrieen: „Boah, ist die blau, ey…“
Fazit: Zum Kennenlernen ungünstig, weil alle meinen, dass du
stockbetrunken bist. Und zu bützen auch ungünstig, weil der andere sofort blau wird und jeder im Laden weiß, wer daran Schuld ist. Es sei denn, in dem Laden sind auch noch Schlümpfe unterwegs.

Aus Erfahrung weiß ich: Als Altkleidersammlung oder Mülltonne zu gehen ist flirttechnisch eher nicht empfehlenswert. Karlsson vom Dach mit Luftballon-Propeller haben schon meine Freunde, nicht verstanden. Wie sollte es da ein Unbekannter schaffen? Dann war ich noch ein Sternenhimmel mit einer echten Lichterkette (damals ungünstig, aber glücklicherweise gibt es heute batteriebetriebene Lichterketten), ein Weihnachtsbaum mit Geschenk, eine Blumenwiese, eine Meerjungfrau mit Felsschuhen und Schnüren (über die ich später leider gestolpert bin und mir meine Rippen gebrochen habe).

Dieses Jahr aber ich werde ich etwas sein und tragen, was ich sonst nie nie nie nie nie nie zu Karneval tragen würde. Aber ich habe mich überzeugen lassen und nach der anfänglichen Begeisterung, weil das Kostüm ja soooo schön ist, denke ich mittlerweile, ’ups Gruppendynamik’. Und ja…ich habe auch ein bisschen Angst.

Haltet euch fest, nach Jahren der kreativen und intellektuell herausfordernden Kostüm-Interpretationen wird dieses Kostüm ganz einfach sein: Ich gehe mit einer Gruppe von 8 Leuten als Synchron-Schwimmerin aus den 40er Jahren. Selbstverständlich haben wir dazu bereits eine Choreo einstudiert.

Die 40er mussten sein, weil es da noch schicke Badeanzüge gab, deren Dekolleté jedem, ich sage wirklich jedem, steht. Wenn es da nicht einen Haken gäbe: Die Badeanzüge sind natürlich Vintage und weil sie sonst zu teuer gewesen wären, habe ich sie in China bestellt. Die weiblichen Chinesen wiederum scheinen ihre Brüste ganz woanders sitzen zu haben. Jedenfalls sind die Push-Ups, die dummerweise ziemlich fest eingearbeitet sind, dort, wo anatomisch die normalen Brüste gar nicht sein können. Also gibt es da Luft, wo sie nicht sein sollte und keine Luft, wo sie besser angebracht wäre.

Deshalb habe ich gedacht, dass ich noch einen BH darunter trage, damit alles so sitzt, wie es sitzen sollte. Und jetzt ratet mal, wie das Ergebnis ist? Das Volumen und der Umfang meiner Brüste ist  ungefähr so groß wie eine beziehungsweise zwei Galia-Melonen. In meinem Vintage-Badeanzug mit Kimono sehe ich so aus, als hätte ich mir zwei mittelgroße Ballons ins Dekolleté geklemmt. Naja, es hätte noch schlimmer kommen können: Nämlich dann, wenn die Ballons so groß wie Wassermelonen gewesen wären.

Ich weiß nicht, was ich an Karneval in diesem Kostüm alles erleben werde, aber ich werde berichten. Ebenso wie ich euch über meine Theorie von Männerkostümen erzählen werde. Also bleibt dran. Kölle Alaaf!

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