….aaaand ACTION!!!


Männer und Actionfilme

Frage: „Warum stehen Männer auf Action-Filme und ziehen auch schlechte Action-Filme guten Plots vor?“

Ein garantiert blutdruckneutraler Erklärungsversuch von Uli Döring

Bei dieser Frage schreie ich empört auf: Stimmt nicht! Wir Männer sind besser als unser Ruf! Ich zum Beispiel mag Pornos mit Handlung.

Aber lass mal gut sein. Schließlich geht es hier ja um männliche Klischees. Und ich glaube, von diesem Klischee habe ich schon mal gehört. Doch nur um die Frage richtig zu verstehen: Wann bitteschön ist denn ein Plot gut? Und – um ein wenig zu klugscheißen – bedeutet die Fragestellung, dass Action-Filme per se keinen guten Plot haben? Ist „Sex and the city“ als Nicht-Action-Film intelligenter als „Matrix“?

Was würde passieren, wenn der (soeben von mir erdachte) Film „Gefangene im Schuh-Paradies“ in die Kinos käme? (Ein halbdokumentarischer Action-Reißer, bei dem sich ein Reisebus voller Friseurmeisterinnen verfährt und in einem überdimensionalen Schuhgeschäft landet, wo sich die Friseurinnen durch Sonderangebote kämpfen müssen und teilnahmslose Schuhverkäufer mit Gewalt zum Verkaufsgespräch zwingen.) Würde das bei einer Frau einen Gewissens-Konflikt auslösen?

Und wie kommt es überhaupt, dass Männer und Frauen unterschiedliche Genres gut finden?

Immerhin beginnen wir filmtechnisch im Larvenstadium noch alle gleich: Sesamstraße, Heidi, Biene Maja, Sendung mit der Maus. Klassiker des Kinderfernsehens.

Und plötzlich passiert was: Wir teilen uns auf in eine „Captain Future“- Fraktion und eine „Bibi-Blocksberg“-Liga. Was passiert da mit uns, was schließlich in den unvereinbaren Welten „The Fast and the Furious“ und „Ein amerikanischer Quilt“ münden wird?

Wie ist das bei mir selbst? Obwohl ich anspruchsvollen Filmen etwas abgewinnen kann, gibt es Filme, die ich sofort einem Genre zuordne, das es offiziell gar nicht gibt: Den „Frauenfilm“. Diese Filme haben bei mir normalerweise keine Chance. Dann lieber Nachrichten. Oder Dauerwerbesendung. Testbild. Irgendwas anderes halt. Es sei denn, es gilt, die diplomatischen Beziehungen zu meiner Freundin zu verbessern. Dann muss ich da durch. Ich stelle mir dann gerne vor, ich sei Rambo in einer neuen Selbstmordmission.

Anhaltspunkte für einen Frauenfilm können sein:

  • Zwei Frauen spielen die Hauptrolle
  • Die Worte „Liebe“/“Sehnsucht“ oder ein Frauenname im Titel
  • Das Drehbuch hat eine Frau geschrieben
  • Typische Beschreibung in Kino-/Fernsehzeitschriften: „Romantische Komödie“
  • Eine Frau blickt auf ihr Leben zurück
  • Nicole Kidman spielt die Hauptrolle.

Doch das sind natürlich nur die Extrembeispiele. Wenn man so will: Action-Filme für Frauen.

Was eine ähnliche Wirkung auf viele Männer hat: So genannte Autorenfilme. Wahrscheinlich heißen sie so, weil viele davon so unterhaltsam sind, als hätte man die Seiten eines Buches abgefilmt. Markenzeichen:

  • Sehr lange Einstellungen, bei denen nichts Offensichtliches passiert (es kann aber durchaus sein, dass man z.B. sieht, wie ein Blatt vom Baum fällt. Oder es von 15.00 15.30 wird.)
  • Sehr lange Dialoge, gerne unterbrochen von längeren Gesprächspausen
  • Geigenmusik
  • Schnarchen in den hinteren Sitzreihen des Kinos

Das sind Merkmale, die viele Männer nicht besonders reizen. Und wenn sie etwas anderes behaupten, dann wahrscheinlich, weil sie einer Frau imponieren wollen oder der Regisseur des Films sind.

Wenn ein Mann einen Film sieht, dann will er sich zerstreuen. Er will etwas erleben, was er eben nicht jeden Tag erleben kann. Deswegen schätzen viele Männer Filme, die sie als Kind nicht sehen duften. Die Altersangabe „Freigegeben ab 18 Jahren“ ist für den Mann ein Qualitätssiegel: Guter Film! Da wird geblutet und da wird gevögelt. Da wird explodiert.

Der Mann möchte keinen Film sehen, der so wirkt, als habe man sein Leben verfilmt. Es sei denn, es ist tatsächlich eine Doku über ihn. (Vielleicht, weil er der reichste Mensch der Welt ist. Ein berühmter Action-Filmstar. Oder einfach nur ein geiler Hengst.) Lange Dialoge hat er auch mit seiner Frau genug. Die kann zwar ebenfalls explodieren…aber nicht so, wie wir Männer das mögen. Denn meist folgen dann sehr lange Dialoge, sehr lange Gesprächspausen oder Beischlafboykott. Vielleicht fällt auch ein Blatt vom Baum.

Action-Filme haben darüber hinaus den Vorteil, einfache männliche Strickmuster gut zu bedienen. Männer brauchen ja bekanntlich klare Aussagen und Signale. Explosionen und Autoverfolgungsjagden sind adäquat, dem männlichen Gehirn zu vermitteln: Gerade passiert was. Das Ganze wird garniert mit einigen knackigen Onelinern, die die männliche Auffassungsgabe nicht überfordern, cool wirken, weil sie nicht allzu sehr von den Schusswechseln ablenken und diesen ein bisschen den Schrecken nehmen.

Gelegentliche Pausen (z.B. eine belanglose Liebelei, Halbzeit beim Fußball) zeigen an, dass die Haupthandlung gerade eine Pause macht und für die typischen männlichen Bedürfnisse genutzt werden können. (Simsen, Bier holen, Klogang). Sie runden das männliche Unterhaltungsprogramm unmerklich ab.

Bei Filmen mit zu viel Geschwafel funktioniert das Ganze eben nicht. Der Mann fragt sich die ganze Zeit, wann der Film losgeht. Er geht eine rauchen. Rutscht ein bisschen gelangweilt auf dem Sitz herum. Sieht sich auf dem Smartphone ein paar Explosionen bei YouTube an. Geht pinkeln. Der Film hat immer noch nicht angefangen. Dann: Abspann.

Normalerweise müsste der Mann jetzt den Kinokassierer verprügeln, um seine Dosis Action zu bekommen. Vielleicht jagt er anschließend noch etwas in die Luft. Wenn ich es mir so überlege, kann Arthouse-Kino wirklich gefährlich sein.

Tja. So könnte die Erklärung aussehen. Aber Gottseidank gibt es ja auch immer wieder Schnittmengen, die uns scheinbar alle faszinieren, obwohl sie alle Klischees ad absurdum führen:

Das Dschungelcamp. Keine Action, kein guter Plot…einfach nur eklig und bescheuert. Da schaltet man doch gerne ab. In diesem Sinne, frei nach dem großen Peter Lustig: Abschalten bitte.

 

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5 Kommentare zu “….aaaand ACTION!!!

  1. Es wird sogar noch schlimmer. Forscher haben belegt, dass bei verschiedenen Filmen unterschiedliche Hormone ausgeschüttet werden (Testosteron und Östrogen).
    Allerdings sind hier die Filme gar nicht genannt, die ich als Lieblinge bezeichne, nämlich Filme wie „Big Lebowski“ oder „Clerks“. Beide sind männliche Quasel-Filme. Es geht also noch anders.
    Für die männlichen Leser kann ich übrigens „Dead Pool“ wärmstens empfehlen. Das ist einfach nur Fratzengeballer ohne irritierenden Tiefsinn. Sehr ansprechend… 😉

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  2. Oder „Pulp-Fiction“, ein Action-Quassel-Film. Tja, es gibt eben Gottseidank auch Mischgenres.

    Was die Hormone angeht: Vielleicht gibt es dann demnächst neben den handelsüblichen FSK-Altersangaben auch Warnhinweise zu Filmen: „Achtung! Dieser Film sorgt für eine überdurchschnittliche Ausschüttung von Östrogenen!“

    Danke für den Filmtipp! Hab auch schon viel Gutes über „Deadpool“ gelesen!

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