Gesucht: Größerer Mann mit handwerklichem Geschick und Spaß dabei


Mein Kompagnon Uli schwebt in Honeymoon-Sphären und ich will seine Glücksblase nicht platzen lassen, indem ich ihn mit komplizierten Fragen über Männer und Frauen bombardiere. Stattdessen habe ich mir überlegt, dass ich doch auch in einem riesigen Glücksballon schweben könnte. Deshalb starte ich hier die etwas andere Single-Börse: Ich suche einen größeren Mann, der handwerklich begabt ist und es liebt, im Haus zu klopfen, zu bohren, zu klöppeln oder auch zu schrauben. Ja, ihr habt richtig gehört…

Natürlich sollte er nicht nur Spaß am Handwerk haben, es wäre auch schön, wenn er intelligent ist und Humor hat, ganz gut aussieht, viele Freunde hat und weiß, was er will. Aber die Hauptsache ist, dass er handwerklich begabt ist und die Arbeiten im Haus auch sehr gern und sofort erledigt. Er sollte in diesem Punkt ein Handlungstyp und kein Sachtyp sein.

Der Grund für meinen Aufruf: Meine Duschstange ist beim Duschen einfach so abgeflogen und ließ sich einfach nicht mehr reparieren. Also musste ich eine neue kaufen. Und weil das Licht im Laden so schön war, habe ich noch einen runden beleuchteten Spiegel gekauft.

Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich bin handwerklich schon begabt und wirklich kreativ dabei, aber machen tue es nicht gern; nur, wenn ich muss. Allein an dieser einen unmöglichen Satzkonstruktion können geübte Leser und Schreiber meinen Widerwillen an Handwerksarbeit erkennen. Ich beobachte und renne lieber, um etwas zu holen oder ich denke mir kreative Möglichkeiten aus, wenn etwas improvisiert werden muss. Doch ich schweife ab.

Zurück zur besagten Duschstange: Duschstangen muss man meist an oder in den Kacheln befestigen. Da ich Angst hatte, dass die Kacheln platzen würden, wenn ich sie durchbohren würde, entschied ich mich für die Fugen. Perfekt abgemessen  und mit einem Kajalstift die Stelle in der Fuge markiert, bohrte ich das Loch. Übrigens eignen sich Kajalstifte hervorragend zum Markieren, sind aber nicht gut zu entfernen.

Erst nach dem Bohren entdeckte ich, dass das Bohrloch für die alte Duschstange nicht direkt auf die Fugen zulief, sondern schräg versetzt war. Wäre das alte Bohrloch gerade anzupeilen gewesen, hätte ich ein leichtes Spiel gehabt. Schraube rein, Stange dazwischen, fertig.

War aber nicht so. Die obere Schraube war um 1,5 cm nach links versetzt. Also musste ich ein neues Loch bohren. Und das war eine Tortur: Entweder, es hielt nichts und staubte rot herum oder die Bohrmaschine tockte gegen eine Wand aus Stahl. Auf jeden Fall war es verdammt hart. Bevor es irgendwelche Kommentare zu meinem Bohrtalent gibt: Das Haus wurde nach dem Krieg gebaut und die Leute hatten so ziemlich alles in die Wände gestopft, was sie gefunden hatten. Da kann doch wohl das eine oder andere Stahlröhrchen mit verbaut worden sein?

Abgesehen von dieser Tatsache gibt es noch eine nicht ganz unwichtige Nebensache: Die Bohrmaschine, mit der ich arbeitete, ist garantiert aus den 70er Jahren, ist also tonnenschwer und absolut unhandlich, das Loch war sehr hoch und ich bin für allgemeine handwerkliche Dinge meistens zu klein. Deshalb suche ich auch einen größeren Mann.

Es genügt, wenn ihr  euch vorstellt, dass ich breitbeinig auf dem Badewannenrand stand und nicht richtig an diese blöde Bohrstelle kam. Es genügt auch, wenn ihr mich kurz bedauert, weil ihr kapiert habt: Fünf Handicaps (70er Jahre Modell, Wand aus Stahl, Loch zu hoch, Bohrer zu schwer, Frau zu klein) auf einmal. Von mir aus könnt ihr auch grinsen, wenn ihr euch das Foto anschaut.

Nachdem ich diese fünf Probleme wie auch immer gemeistert hatte, konnte ich endlich den Dübel in die Wand hauen, der Dank Ikea dabei abgebrochen ist und die Schraube später in der rot staubigen Wand durchdrehte. Keine Ahnung, warum sich die stahlharte Wand ausgerechnet jetzt vom Acker gemacht hatte. Fakt war, ich hatte ein Loch gebohrt, einen halben Dübel verloren und die Schraube drehte durch.

Als kreativer und schneller Handwerker entschied mich kurzerhand für die linke, leicht versetzte Schraube. Würde die Stange von ihrer Höhe passen oder nicht? Probieren geht über studieren, heißt es im Volksmund und so schraubte ich alles zusammen und natürlich war die Stange zu lang. Also schraubte ich alles wieder auseinander, um der Stange mehr Spiel zu geben. Nun passte es.

Mein Problem war, dass die Halterung oben einen Pinöppel hatte, der in eine Kerbe der Stange gesteckt werden musste. Der Pinöppel musste drinstecken, sonst wäre irgendwann meine ganze Konstruktion zusammengekracht. Das andere Problem war, dass die Duschstange leicht schräg in der Halterung steckte, weil besagtes oberes Bohrloch mit Dübel schräger lag als das Untere. Das dritte Problem war, dass ich nicht in die Konstruktion hineinschauen konnte, weil ich, wie ich bereits erwähnte, etwas kleiner bin und so oder so schon auf Halbmast auf dem Badewannenrand hing. Ich hätte mich also wirklich nicht noch verlängern können.

Also versuchte ich zu erfühlen, ob der Pinöppel in der Kerbe steckte. Doch wie fühlt sich ein Pinöppel in einer Kerbe an? Wie fühlt man überhaupt etwas, wovon man nicht weiß, wie es sich anfühlen muss? Da sich die Kerbe irgendwo innen befinden musste, machte ich mit meinem iPhone einige tausende Aufnahmen. Immer mit dem Ergebnis, dass diese blöde Kerbe nicht zu sehen oder das Bild unscharf war.

Dafür war ich auf der Wanne mit Duschzeug auf der linken und dem Staubsauger auf der rechten Seite um so schärfer. Glaubt mir, wären diese Selfies nicht so peinlich, ich würde sie hier alle posten. Diese Bilderfolge ist ideal eingefangen, wenn man es darauf anlegt, Gefühl plus Misserfolg plus Anstrengung plus Zeitdruck festzuhalten. Erst wenn es hierfür einen Fotowettbewerb gibt, werde ich sie öffentlich zugänglich machen.

In einem Anflug von erschöpfter Verzweiflung fiel mein Blick auf die Zahnpasta – und den Gehirnbahnen und -synapsen sei Dank – dachte ich plötzlich an die Zahnärzte und ihr Phänomen, dass sie immer mit einem Spiegel arbeiteten. Es machte ZONG in meinen Improvisations-Gehirn und ich angelte mir einen kleinen Spiegel. HALLELUJA! Endlich konnte ich den Pinöppel sichten und in der Kerbe versenken. Zugegeben, die Duschstange hängt jetzt etwas schief, aber es sitzt alles bombenfest, ist ja auf Stahl gebaut.

Kommen wir nun zu meinem Aufruf: Unser erstes Date wird in meinem Badezimmer stattfinden und die Challenge wird sein, die runde, leuchtende Spiegellampe anzuschließen, da es sich leider nicht um eine Lampe mit Stecker handelt, wie ich vermutet hatte, sondern direkt mit den Drähten in der Wand verbunden werden muss. Was ich biete? Eine lustige Aktion ohne (hoffentlich) Komplikationen, Kerzen, Wein, Bier und Sprudel auf dem Balkon. Ich hätte auch noch eine Wasserwaage, aber die braucht man beim Anbringen nicht, denn der Spiegel ist ja rund.

Also, wer Interesse auf ein originelles Date mit mir hat, sollte sich schnell melden. Ich bin in der Theorie (meint, in meinem Kopf) bereits alles durchgegangen, habe mich auch schon (und das war nicht immer so) mit dem Sicherungskasten vertraut gemacht. Ich weiß also, was ich theoretisch machen müsste und werde es wohl zeitnah angehen wollen.

Was ich damit sagen will: Ihr solltet schnell sein, denn es ist durchaus möglich, dass ich die Challenge allein starte und durchziehe. Aber auch in diesem Fall freue ich mich über ein Date mit euch und gern können wir uns dann woanders treffen. Es sei denn, die Duschstange in Schräglage hat es euch angetan und ihr wollt mein Kunstwerk unbedingt sehen. Die Betonung liegt auf „sehen“ und nicht auf „begutachten“.;)

Also liebe Männer, ich freu mich auf euch! Liebe Mädels, ihr habt einen netten handwerklich begabten Single-Freund? Auf ihn freu ich mich auch. Cheriooo!

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