Froschmänner – oder „take KERmit my feelings“


Vom Märchenonkel  Uli  Döring 

Soeben erreicht mich eine neue Frage:

„Werden Männer tatsächlich zum „Frosch“, wenn sie eine Frau erobert haben?

Hier geht es um die Wandlung von Männern in Beziehungen, nachdem sie die Frauen erobert haben (mächtig ins Zeug gelegt und dann von heute auf morgen ist nichts mehr davon da, etc).“

Es geht also mal wieder um die bösen, bösen Männer. Is schon klar. Wir sind schlecht. Wissen wir ja alle. Aber schön, es noch mal von anderer Seite zu hören. Kaum haben wir die holde Prinzessin ins Bett gezerrt, werden wir zu einem fetten, schleimigen Frosch. Einmal nicht hingucken reicht schon aus – und „Puff“ (das sollte ein Geräusch sein, keine Ortsangabe) – schon ist es geschehen. Ist schon eine böse Welt mit bösen, bösen Kreaturen! Wir sind der Wolf im Schafspelz…der Frosch mit der Maske. Na gut. Schreiten – oder besser hüpfen – wir zur Ehrenrettung. Auch die der Frösche.

Natur

Bei der Frage handelt es sich um eine Metapher. Und zwar für ein Phänomen, dass wir unter allen Spielarten des Lebens beobachten können, wenn wir mal richtig hinschauen. Männer auf der ganzen Welt, eingeschlossen der Tierwelt, legen sich mächtig ins Zeug, um die Aufmerksamkeit der Angebeteten zu erheischen. Dabei lassen sie sich die unglaublichsten und mitunter erniedrigendsten Tricks einfallen. Alles nur, um ihre Art zu erhalten. Ist das Ziel dann mal erreicht,  reagieren alle Männchen und Weibchen aller Arten gleich, oder besser gesagt ähnlich, mit fein nuancierten Unterschieden: Zufrieden.

Der Druck fällt ab (kennt man auch aus dem Profisport), vielleicht raucht man gemeinsam eine Zigarette oder fragt sich: Wer bist Du denn noch mal? Wenn Mann Pech hat, frisst ihn das Weibchen auf – was wohl die deutlichste Art sein dürfte, das Desinteresse an einer tiefer gehenden Beziehung zu bekunden. Oder der größtmögliche Liebesbeweis. Je nachdem, wie man es sieht.

Es kehrt Normalität ein. Scheint niemand ein Problem mit zu haben. Außer die Menschenweibchen, die gerne kuscheln, über Gefühle reden und Frühstück im Bett serviert haben wollen und so. (Möglicherweise ist die schwarze Witwe in dieser Hinsicht ja einfach sehr pragmatisch veranlagt. Wenn das Frühstück schon im Bett liegt – warum dann zum Bäcker laufen?)

Ein hochauflösender Vergleich

Aber lösen wir uns doch mal von Beziehungskisten. Ich bin der Meinung, dass sich dieses Phänomen der sich einschleichenden Normalität auch auf die normale Normalität übertragen lässt.

Wenn ich eine Tüte Milch aufreißen will, dann setze ich zunächst einmal alles daran, eine zu bekommen. Ich gehe dafür sogar zum Aldi. Ach, das ist ein blödes Beispiel. Sagen wir mal, ein total cooler HD-Fernseher. Ich bin total angefixt von dem Teil, ich will den unbedingt haben! Abends, bevor ich einschlafe, denke ich an ihn, stehe superfrüh auf um ihn zu kriegen, zahle bei vollem Bewusstsein eine stolze Summe und bin superhappy, wenn ich endlich seiner Gegenwart in meinem Eigenheim sicher bin.

Und ich bin zufrieden mit ihm! Sogar heute noch…auch wenn ich ihn früher etwas schärfer fand. Aber deswegen renne ich trotzdem nicht wieder zum Saturn und steck dem Verkäufer pausenlos noch ein paar Scheine zu. Wir sind ja schon zusammen (Der Fernseher und ich…nicht der Verkäufer und ich.) Ich vergöttere meinen Fernsehapparat auch nicht jeden Abend oder setz mich ausschließlich geschniegelt vor die Glotze. Ich glaub, deswegen mag ich Elektronikartikel lieber als Hauspflanzen (die ja sehr zuwendungsbedürftig sein sollen).

Die wollen nicht ständig angehimmelt werden, über Gefühle reden oder kuscheln (dem Nachrichtensprecher wäre das mit Sicherheit sehr unangenehm). Glaub ich zumindest. Auf mich macht es den Eindruck, dass er schon froh ist, ein Dach über den Kopf zu haben und hin und wieder mal angemacht zu werden. Ich hab noch nichts Negatives gehört. Ich denke, wir führen eine sehr harmonische Beziehung, mein Plasma-TV und ich. Hoffentlich gibt er mir nicht pausenlos irgendwelche Signale, die ich nicht wahrnehme.

Meer über Froschmänner

Mal losgelöst von diesem unumstößlichen Gesetz des Lebens…wie kommt es eigentlich zu dieser gewagten These, dass der Mann gleich wieder zum metamophorischen Frosch wird? Ich bin an dieser Stelle fast versucht zu unterstellen, dass der ein oder andere Mann sich voll ins Zeug legt, den Teufelskreis der Natur zu durchbrechen und seiner Eroberung nachhaltig zu gefallen. Er gibt alles! Für seine Verhältnisse.

Er kuschelt mit, unterdrückt eine Zeit lang das hemmungslose Rumgefurze, duscht gelegentlich und geht sogar manchmal mit shoppen, obwohl er ein denkbar schlechter Shopping-Ratgeber ist, da er einfach keine Meinung dazu hat, welches der 23 Paar Schuhe am Süßesten ist, die seine Süße anprobiert. Als Pragmatiker kann der Mann mit Shopping einfach nichts anfangen. Wozu gibt es Online-Shops? (Da hat die Evolution echt mal was Gutes gemacht. Mann kann einkaufen gehen und sich gleichzeitig die Birne zuhauen.) Weil dem Mann glasklar ist, dass die beste Freundin der Freundin eine viel ausgeprägtere Meinung dazu hat, welches Paar Schuhe denn nun am besten aussieht, überlässt er es irgendwann ihr, seine holde Maid zu begleiten. Das mag zwar 200 Minuspunkte für Romantik geben, aber dafür 800 Pluspunkte in Pragmatismus.

Der Gesundheitsminister sagt: Liebe kann blind machen

Mir drängt sich gerade eine weitere Frage auf. Die Frage impliziert, dass der Mann sich zurückverwandelt. Aber wer sagt denn, dass der Mann jemals etwas anderes als ein Frosch war? (Stellen Sie sich an dieser Stelle bitte einen spannungssteigernden Musik-Einspieler vor – vielen Dank.)

Es ist doch bekannt und wissenschaftlich belegt, was die vorübergehende Persönlichkeitsstörung namens Liebe mit uns macht. Das ist ja zunächst einmal eine Krankheit, die nur uns Menschen ereilt. In der Natur hat sie sich indes nicht durchgesetzt. Wahrscheinlich ist das alles nur eine Erfindung eines von Psychologen gegründeten Freimaurer(oder Freitherapeuten)ordens.

Wir Menschen sind schließlich auch die einzige Spezies, die Verschwörungstheorien brauchen. Glauben Sie vielleicht, die Dinosaurier haben sich einen Kopf darüber gemacht, ob der Komet, der sie ausgelöscht hat, eine Verschwörung des CIAs war?

Ja doch, ich weiß selbst, dass ich abschweife. (Das muss an dem Zeug liegen, dass uns die Regierung ins Trinkwasser mischt.) Wer weiß denn, ob das, was Sie sehen wollten auch das war, was da war? Durch rosarote Brillen sieht man nicht sehr gut – wird Ihnen jeder Optiker bestätigen. Und wir Froschmänner werden uns vielleicht auch fragen, ob es wirklich eine Perle war, die wir da aus der mentalen Dunkelheit des Brunnens geangelt haben. Und ob wir wirklich von einer hübschen Prinzessin geküsst worden sind – oder vom CIA?

Durch`s Froschauge betrachtet

An dieser Stelle möchte ich gerne in die Froschperspektive übergehen: Warum verwandelt sich die holde Märchenprinzessin eigentlich auf einmal in Miss Piggy? Ich meine, die Frau berichtet ja auch erst von ihrer Beischlaf-Migräne, wenn man sich ein wenig besser kennt. Und nicht nur das. Erst nach und nach gibt sie die kleinen Makel in Form von Cellulitis, Faltenwurf im Gesicht und radikalem Veganismus Preis. Auch der Libido wird ganz allmählich an der Garderobe abgegeben.

Wir Männer sind zumindest so ehrlich, nach wenigen Tagen Körpergase zu verströmen und in der Unterhose auf der Wohnzimmercouch aufzukreuzen. Das mag nicht schön sein – aber es ist irgendwie fair, oder?

Krötenwanderungen und Liebe

Fazit: Letztlich geht es wieder nur um eins: Um Erwartungen. Und um Ansprüche. (Verdammt…damit geht es schon um zwei. Hoffentlich fällt das nicht auf.) Manche Damen geben offen zu, dass sie eine Beziehung nur wegen der Kröten eingegangen sind. Find ich nicht gut, aber dann weiß Mann zumindest, woran er ist. Und er kann Frosch sein, soviel er will. Solange die Kröten in ihre Tasche wandern.

Alle anderen müssen sich wohl – hoffentlich ohne Grimm – damit abfinden, wie es ist und in Kauf nehmen, dass sich der Märchenprinz irgendwann in einen Frosch verwandelt. Und die Prinzessin in eine Piggy.

Aber vielleicht ist das auch nur ein Klischee, das widerlegt werden will. Am besten halten Sie weiter die Augen offen, nach einem unscheinbaren Frosch. Wer weiß? Vielleicht schafft er es ja doch, sich nicht zurückzuverwandeln.

Doch das betrifft nur alle Menschenleser. Für alle Frösche unter Ihnen gilt: Macht weiter wie bisher. Seid froh, dass ihr andere Probleme habt – und macht einen Bogen um französische Restaurants. Geht mit eurer Süßen lieber zum Italiener.

 

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